Temporäre Heimat

“Temporäre Heimat”
Eine Installation zu der Ausstellung Kunst 8, 2007 in Braunschweig

„Heimat ist immer das Verlorene“ (Martin Walser)

Wenn wir weggehen von zu Hause nehmen wir Koffer oder Trolleys mit. Dies sind die Gepäckstücke für unsere wichtigsten Utensilien, wie Kleider, in denen wir uns wohl fühlen, oder Bücher und Texte in der Sprache unserer Heimat: – ein Stück heimische Kultur.

Die aufgebauten Koffer sind von Braunschweiger Bürgerinnen und Bürgern ausgeliehen. Sie selbst sind Zeugen des Unterwegsseins, jetzt in einem fremden Raum, der Martinikirche, angekommen. Sie dienen für eine kurze Zeit als Behältnisse für Stimmen und Stimmungen, für persönliche Stellungnahmen nach dem Heimatgefühl. Es wird in Xi’an, Hamburg, Braunschweig oder Prescott ähnlich empfunden:
– „Heimat ist da wo die Landschaft vertraut ist, die Vorfahren gelebt und gewirkt, Spuren hinterlassen, haben“.
– „Heimat ist, wo die Menschen leben, die Du liebst“.
– „Heimat hat viel mit der Kindheit, der Familie zu tun, da wo ich aufgewachsen bin“.
– „Heimat könnte ein Ort sein, wo ich mich geborgen fühle, mich regenerieren und erholen kann“.
Etwas abstrakter äußert sich meine Nichte (die jüngere Generation) dazu, da heißt es z.B. „Heimat könnte so was wie Winterschlaf sein …. oder das Gefühl von Geborgenheit wenn ich mich in ein Laken einwickle“.

 

Die interviewten Menschen sind Weggegangen und Angekommen aus familiären, politischen oder beruflichen Gründen. Die globalisierte Welt wird hierbei individuell erfahren und gestaltet. Dabei begeben sie sich auf die Suche nach einem Bezugspunkt, um sich neu zu verankern. Familienangehörige sind „auf der ganzen Welt verstreut“. Die Welt rückt scheinbar näher, aber Erlebtes „Fremdsein“ wie auch „Heimischwerden“ wird immer wieder eigen und neu erfahren.

Braunschweig, Sept. 2007